Kennst du dieses leise, bohrende Gefühl, irgendwie weniger wert zu sein als andere? Und das ausgerechnet dort, wo du eigentlich bedingungslose Liebe und Geborgenheit erfahren solltest – in deiner eigenen Familie? Wenn du dich in deiner Herkunftsfamilie oft wie das „schwarze Schaf“ gefühlt hast, bist du damit nicht allein. Es ist ein Thema, über das wenig gesprochen wird, das aber das Fundament unserer Lebensfreude tief erschüttern kann.
Viele Menschen blicken auf eine Kindheit zurück, die nach außen hin vielleicht „ganz normal“ wirkte, innerlich aber von einem massiven Ungleichgewicht geprägt war. Manche Kinder wachsen mit dem Gefühl auf, nur geduldet zu sein. Während Geschwister liebevoll gefördert, verwöhnt oder verstanden werden, finden sie sich in der Rolle der emotionalen oder praktischen Dienstleister wieder.
Das Fatale daran: Als Kind hinterfragen wir das Verhalten unserer Eltern selten. Wir nehmen diese Zurücksetzung als gegeben hin und
lernen zu glauben, dass das eben unser Platz im Leben sei. Wir denken unbewusst: "Mit mir stimmt etwas nicht."
Wer von klein auf das Gefühl vermittelt bekommt, nicht richtig oder nicht wichtig zu sein, trägt diese Ausgrenzung oft tief in die Seele eingebrannt ins Erwachsenenalter. Daraus wachsen zwei mächtige Schatten: Scham und Schuld. Die Scham, scheinbar fehlerhaft zu sein, und die Schuldgefühle, die paradoxerweise oft dann entstehen, wenn man beginnt, die ungleiche Behandlung der Eltern überhaupt erst zu hinterfragen. Darf man jene kritisieren, die einem das Leben geschenkt haben?
Die Benachteiligung in Familien ist nicht immer offensichtlich oder von offener Ablehnung geprägt. Oft passiert sie subtil und auf Wegen, die auf den ersten Blick gar nicht wie Ausgrenzung aussehen:
Wer sich als schwarzes Schaf fühlt, neigt oft zu extremer innerer Unruhe. Um das frühe Defizit auszugleichen, stürzen sich viele in einen Perfektionismus am Arbeitsplatz und hungern nach Anerkennung. Andere vergleichen sich pausenlos mit scheinbar glücklicheren Menschen oder können ihr eigenes Glück in der Partnerschaft nicht richtig zulassen.
Besonders tragisch: Wenn ehemalige schwarze Schafe selbst Eltern werden, tun sie oft alles, um es besser zu machen. Sie überschütten ihre Kinder mit der Liebe und Anerkennung, die ihnen selbst fehlte – vergessen sich selbst dabei aber völlig und bleiben erneut auf der Strecke.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, gibt es eine sehr gute Nachricht: Du bist nicht dazu verdammt, diese Rolle dein Leben lang weiterzuspielen. Die Rückkehr zur Lebensfreude erfordert Mut, aber sie ist absolut möglich. Hier sind die wichtigsten Schritte auf deinem Weg:
Allgemeine Erkenntnis
Sicherlich haben dich deine Vergangenheit, all deine Erlebnisse und Erfahrungen zu dem gemacht, der du heute bist. Dennoch hast du heute jederzeit die Wahl, andere und bessere Entscheidungen zu treffen. Du musst niemandem mehr etwas beweisen und du musst bzw. solltest es – abgesehen von einer einzigen Person – niemandem mehr recht machen, außer dir selbst.
Die Abhängigkeit, in die wir als Babys hineingeboren werden und die wir noch viele Jahre weiterhin erleben, endet irgendwann. Das kann ein schmerzhaftes oder auch ein befreiendes Gefühl sein.
Spätestens als erwachsener Mensch ist es sinnvoll, das zu akzeptieren. Selbst wenn unsere Eltern viele Fehler gemacht haben – aus welchen Gründen auch immer –, was bringt uns der Ärger, die Wut oder gar der Hass ihnen gegenüber? Gar nichts. Wir schaden uns nur selbst damit, indem wir diese negativen Emotionen und Energien in unserem Körper und Geist gedeihen lassen.
Damit meine ich nicht, dass nun alles ‚Friede, Freude, Eierkuchen‘ ist – keineswegs –, und auch nicht, dass man alles irgendwann einmal verzeihen sollte, obwohl man es weder kann noch will. Ohne dass ich das verharmlosen oder relativieren möchte: Sie haben einfach das getan, wozu ihr Gehirn in der Lage war. Mehr konnten oder wollten sie nicht.
Daher liegt – nicht nur meiner subjektiven Auffassung nach – der Schlüssel zu wirklich echter Lebensfreude darin, die vergangenen Situationen als das zu akzeptieren, was sie sind (nämlich Vergangenheit), sowie in der ultrawichtigen Erkenntnis, dass wir heute als freie Menschen die für uns besten Entscheidungen treffen können, die wir eben treffen möchten. Entscheidungen, die für unser Leben und unsere Lebensfreude von Vorteil sind.
Dabei wünsche ich dir von ganzem Herzen viel Erfolg.